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Des Schutzmanns Klage

Ein jeder Stand hat seine Last,
ein jeder Stand hat seinen Frieden.
Doch unserem Stand ist ohne Rast
fast nichts als Last und Pflicht beschieden.

Verbrechen, Elend, Armut, Not
ist unser Umgang aller Zeiten,
wir kämpfen um das karge Brot
nur auf des Lebens Schattenseiten.

In stürmisch dunkler Winternacht,
wo jeder ruht in warmen Decken,
da halten wir dem Bürger Wacht
an zugig kalten Strassenecken.

Bei Mord und Brand und Stecherei,
wenn alle mit Entsetzen flüchten,
da ruft man nach der Polizei,
die muss dann sehn und schlichten.

Und ach, wie manche Nacht und Tag
in blutgem Ringkampf und Gewühl,
jedoch da kräht kein Hahn danach,
steht unser Leben auf dem Spiel.

Und wenn der freie Bürgersmann
an Sonn- und Feiertag geht spazieren,
da müssen wir erst recht heran
und Posten stehn und patrouillieren.

Und nichts als Dienst und nichts als Pflicht,
wohl Pflichten aber keine Rechte.
Und sehn kein freundliches Gesicht,
sind wir des letzten Stromers Knechte?

Dieses Gedicht stammt vom früheren Schutzmann und bekannten pfälzischen Heimatdichter Karl Räder. Es wurde um 1900 geschrieben, als Räder aus dem Polizeidienst ausschied und zur BASF nach Ludwigshafen ging.

Karl Räder, 1870 in Bad Dürkheim geboren, war vom 1.10.1886 bis 1.11.1898 Wachtmeister bei der Stadtpolizei Neustadt/Weinstraße.