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Kripo Ludwigshafen

Die Geschichte der Ludwigshafener Kriminalpolizei

(von Hans Greschek)

Die Anfänge der  Kriminalpolizei in Ludwigshafen reichen bis in das Jahr 1855 zurück, als man bei  der Ludwigshafener Schutzmannschaft ein Detektivinstitut mit einem Schutzmann  einrichtete, der sich auch der Delikte Diebstahl u.a. annahm.

1888 ist das eigentliche Geburtsjahr der Kriminalpolizei in Ludwigshafen. Zwei “Kriminalschutzmänner” wurden in die Schutzmannschaft integriert, die alle  Anzeigen in Verbrechens- und Vergehenssachen bearbeiten mussten und den Fahndungsdienst der Stadt erledigten. Ludwigshafen war zu dieser Zeit eine große Arbeitsstätte mit Schlafgelegenheit.

1889 mußten 3.000 Strafanzeigen bearbeitet werden. Den Kriminalbeamten standen lediglich spärliche Fahndungsbücher, das Melderegister und ein Polizeistrafregister, in dem Leumundszeugnisse niedergeschrieben waren, zur Verfügung. Von der Anthropometrie, d.h. dem Vermessen und Festhalten der  körperlichen Erscheinung des Verbrechens, war in Ludwigshafen noch nichts bekannt.

An die Überführung eines Verbrechers anhand eines Fingerabdruckes, wie ihn Dr. Henry Faulds 1880 in London präsentierte, war noch nicht zu denken. Die Kriminalpolizei in dieser Form war erst in einigen Ländern eingeführt. Es war eine kleingehaltene Abteilung der Schutzpolizei, da es nur wenige Erscheinungsformen des Verbrechens gab, die eine Fachdienststelle erforderten.

In Großstädten, wie  Paris, London und Berlin, war die Notwendigkeit zur Einrichtung einer solchen Abteilung schon früh erkannt worden. Bereits 1809 wurde in Paris die Surete  gegründet, da das Verbrechen innerhalb der Stadt enorm zunahm und von den  vorhandenen Sicherheitskräften nicht mehr bewältigt werden konnte. Hinzu kam, daß diese Kräfte korrupt waren. Auch handelte es sich dabei verschiedentlich um  ehemalige Verbrecher. Der erste Leiter des Sicherheitsbüros war Eugène François Vidocq. Er war jahrelang auf der Flucht vor Sicherheitskräften und mehrmals  eingekerkert. Dabei lernte er Gesindel und Tricks kennen, wie man dem Verbrecher  und Verbrechen begegnen konnte. Von ihm stammt der Ausspruch, daß man das  Verbrechen nur mit einem Verbrecher bekämpfen kann. Vidocq hatte 12 Mitarbeiter, die bereits im ersten Jahr ihrer Tätigkeit 812 Mörder und Diebe gefangennehmen konnten. Als erkennungsdienstliches Instrument standen den Mitarbeitern der  Surete nur ihre Beobachtungsaufgabe zur Verfügung. Deshalb mußten sie die  Gefängnisse aufsuchen und sich die Gesichter der Gefangenen einprägen, um sie später wieder identifizieren zu können.

1822 gab es in London und Berlin eine Kriminalpolizei. Die Kriminalpolizei in London befand sich in der Bow-Street. Da die Mitarbeiter als “Commun-Informers” und “Thief-Takers” durch die Straßen London laufen mußten, um sich die Gesichter der Verbrecher einzuprägen, wurden sie als die “Bow-Street-Runners” bezeichnet. Aus dieser Institution ging 1892 das  heutige Scotland Yard hervor, eine der besten Kriminalpolizeien der Welt.

Die Kriminalpolizei in Berlin bestand anfangs aus drei Mitarbeitern, die auch ordnungspolizeiliche Aufgaben wahrnehmen mußten. Hilfsmittel standen auch hier kaum zur Verfügung.

1840 wurde in Brüssel erstmals in Gefängnissen die Fotografie als Hilfsmittel zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt. Die Fotografen waren jedoch  keine Kriminalbeamte sondern sogenannte Künstler, die ihre Arbeit auch als solche ansahen. Nicht alle Fotografien waren deshalb zu Fahndungszwecken geeignet.

Der  erste, der sich über eine schnellere Identifizierung eines Verbrechers Gedanken machte, war Bertillon. Ihm war bei seiner Arbeit als Schreiber der Pariser  Polizei aufgefallen, daß die Verbrecher selten die gleichen Merkmale aufwiesen. Er fing an, die Verbrecher zu vermessen und die Daten in Karteien einzutragen. Es gelang ihm dadurch, spektakuläre Verbrechen aufzuklären. Als er seine Methode  perfektioniert hatte, kam aus England die Nachricht, daß man mit dem Fingerabdruck ein unveränderliches Merkmal des Menschen entdeckt hatte.

Die Kriminaltechnik wurde dadurch revolutioniert. Mit dieser Methode wurden immer mehr Straftäter ihrer gerechten Strafe zugeführt.

Die Kriminalpolizei in Ludwigshafen mußte ihren Dienst zunächst  ohne diese Hilfsmittel verrichten.

Wenn man bedenkt, daß beim Einwohnermeldeamt der Stadt Ludwigshafen 1887 bereits 10.000 An- und Abmeldungen registriert wurden, kann man sich die Probleme und Schwierigkeiten der damaligen Kriminalbeamten bei der  Fahndung nach Rechtsbrechern vorstellen.

1887 wurden die Ludwigshafener Kriminalbeamten mit Fahrrädern  ausgestattet, damit sie über eine höhere Bewegungsmöglichkeit in ihrem Dienstbezirk verfügten.

1902 hatte die Kriminalpolizei Ludwigshafen einen ihrer spektakulärsten Fälle geklärt. Unter  der Bezeichnung “Der pfälzische Jack the Ripper” ging dieser Fall in die  Geschichte ein. Ein Techniker der Bahn hatte mehrfach in den späten Abendstunden Frauen bzw. Liebespaare mit dem Messer angegriffen und die Frauen verletzt. Mit neuer Fahndungsmethodik wurde dieser Fall aufgeklärt, indem sich ein Kriminalbeamter als Frau verkleidete und mit einem Kollegen nachts spazierenging. Dadurch gelang es, den Täter zu fassen, der zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.

Im gleichen Jahr wurden das Fingerabdruckverfahren eingeführt und  erstmals Hunde für die kriminalpolizeiliche Zwecke eingesetzt.

Abgenommene Fingerabdrücke mußten damals nach Dresden, München oder Berlin geschickt werden, wo sie ausgewertet und klassifiziert wurden. Man kann sich leicht vorstellen, wie lange ein entsprechendes Fahndungsersuchen unterwegs war.

Heute werden Fingerabdruckblätter über Datenleitungen unmittelbar  zum Bundeskriminalamt gesandt, so daß innerhalb kürzester Zeit eine Auswertung  und Zuordnung erfolgen kann.

Im Sommer 1911 konnten sich die Stadträte Ludwigshafen sowie die Vertreter der  lokalen Presse über die Neuerungen im Polizeiwesen informieren. Unter anderem wurde das neu eingerichtete Fotostudio  mit einer Bertillon`schen Kamera vorgestellt.

Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges gehörten der Kriminalpolizei  zwei Wachtmeister und Sergeanten sowie drei Schutzleute an. Schon unmittelbar  nach Kriegsausbruch wurde die Polizei Ludwigshafen in  personeller Hinsicht  entscheidend geschwächt, da 70 Schutzleute zum Heer einberufen wurden. Damit war ein geordneter Polizeidienst nicht mehr möglich.

Nach Ende des ersten Weltkrieges und den sich durch die  Besatzungstruppen ergebenden Problemen und Schwierigkeiten wurde 1920 die Kriminalpolizei mit je einem Polizei- und Sicherheitskommissär sowie neun Oberwachtmeistern besetzt.

In diese Zeit fällt  die erste Steckbriefsammlung. Bereits 1925 umfaßte sie 35.000 Karteiblätter. Im Jahresdurchschnitt kam es bei der Auswertung dieser Kartei sowie der Meldungen der Herbergen zu 80 bis 100 Festnahmen.

Bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933  wurde auch die Polizei - wie die gesamte Verwaltung politisch gleichgeschaltet. Sie galt als wichtiges innenpolitisches Machtinstrument der neuen Machthaber.  Dies brachte auch für den Bereich der Kriminalpolizei einschneidende Veränderungen mit sich. Im Zuge einer straffen Zusammenfassung und einheitlichen Verbrechensbekämpfung wurden durch das im Jahr 1936 errichtete “Reichskriminalpolizeiamt” die bisherigen Landeskriminalbehörden zu “Kriminalpolizei-Leitstellen” und die Kriminalabteilungen zu  “Kriminalpolizeistellen” umorganisiert. Ludwigshafen wurde der Kriminal-Leitstelle Stuttgart unterstellt.

Die Zuständigkeit erstreckte sich auf den gesamten pfälzischen Raum. Erstmals Übernahm 1938 ein Kriminalrat die Leitung der Ludwigshafener Kriminalpolizei. Im Jahre 1939 wurde eine eigene Kriminalwache eingerichtet.  Auch die Kriminalpolizei mußte bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eine Reihe von jüngeren Beamten für den auswärtigen Einsatz abgeben. Durch die Einstellung  von “Kriminalangestellten” versuchte man die Leistungsfähigkeit der  Kriminalpolizei zu erhalten.

Viele Polizeibeamte kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück. Zusätzlich fehlten der Polizei durch Entmilitarisierung und Entnazifizierung  ausgebildete Fachkräfte. Die Besatzungstruppen behalfen sich mit sogenannten  Not- oder Hilfspolizisten, wobei Format und Können eine untergeordnete Rolle  spielten.

Mit Unterstützung von vier Kriminalbeamten und fünf Angestellten wurde die Kriminalpolizei in Ludwigshafen nach dem Krieg durch den  Kriminalobersekretär Paul Frühbis neu zum Leben erweckt und verfügte am 18. März 1946 über insgesamt 42 Angehörige, davon sechs weibliche Angestellte und zwei Dolmetscher, die für die Militärregierung bestimmte Vorgänge bearbeiteten.

In dieser Zeit hatte die Polizei in erster Linie mit den Versorgungsschwierigkeiten der Bevölkerung zu kämpfen, die sich durch die  erschwerten Lebensbedingungen zu Straftaten verleiten ließ.

Zum 1. Oktober 1947 trat eine neue Organisationsvorschrift in  Kraft, durch welche die Arbeit der staatlichen Polizeiverwaltungen, der Wasserschutzpolizei, der Vollzugspolizei bei den Bezirksregierungen und Kreisverwaltungen sowie die Aufgabenabgrenzungen zwischen Kriminal- und  Schutzpolizei geregelt wurde und somit auch im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigshafen zu organisatorischen Neuerungen führte. Die Kriminalpolizei verfügte über 98 Beamtinnen und Beamte.

Der ständige Wertewandel innerhalb der Gesellschaft veranlaßte auch die Polizei zu weiteren organisatorischen Veränderungen, die 1991 ihren Niederschlag fanden. Es kam zur  Errichtung neuer Fachkommissariate zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, der Umweltkriminalität und der Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Zum 1. September 1993 erfolgte letztmals eine grundsätzliche Änderung der gesamten Polizeistruktur. Bei der Kriminalpolizei wurden neue Kommissariate mit entsprechender personeller Verstärkung errichtet und  konzentriert um der organisierten Kriminalität, Wirtschaftskriminalität etc.  besser begegnen zu können, damit wurde auch der Bevölkerung mehr  Sicherheitsgefühl vermittelt.

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