Mein Gästebuch
Last updated:

 

Polizei Worms

 

Die Geschichte der Wormser Polizei von H.-G. Dehmel

 

Bereits in grauer Vorzeit vollzogen sich in unserer Stadt Entwicklungen, die den weiten Weg vom geschriebenen Gesetz bis zum polizeilichen Funktionsträger maßgeblich beeinflußten. Es begann beim Wormser Stadtrecht von Bischof Burchard I, der Ausgangs des 10 Jhd. ein Werk mit 32 Kapiteln schuf und erlangte schließlich 1495 seinen Höhe,- u. Wendepunkt. Im Reichsabschied von König Maximillian genannt " Ewiger Landfriede ", wurde das Gewaltmonopol des Staates klar definiert, der Erzbischof und Kurfürst von Mainz und Reichskanzler Bertold Graf von Henneberg brachte bei den Formulierungen zu diesem großen Rechtswerk den aus Frankreich kommenden Begriff Pollicey hierbei erstmals - für das Reich geltend - in den deutschen Sprachraum ein. Noch war die Bedeutung des Wortes nicht klar konkretisiert, vielmehr verstand man unter " guter Polizei " die gesamte öffentliche Verwaltung.

Die Wormser Stadtväter setzten, wie anderenorts auch, zur Handhabung der Strafgesetze Richter und Gerichtsknechte ein. Waren Missetäter zu ergreifen, bediente sich der Rat seiner bewaffneten Stadtknechte, die zusammen mit den Wächtern die Ordnungskräfte darstellten.
Im Zuge der französischen Revolution von 1789 drangen französische Truppen bis an den Rhein vor. Mit ihnen zog die fortschrittliche Verwaltung bei uns ein. Zur Bekämpfung der Kriminalität und Eindämmung von Schlägereien wurden Gendarmenregimenter aufgestellt, in Städten mit mehr als 5.000 Einwohnern waren zudem hauptamtliche Comissäre zu unterhalten. Vor 1793 war bereits ein Wachtmeister Bidenbach im Amt, aus den Jahren 1797 und 1798 fanden sich Haushaltsrechnungen vor, die von Polizei Commissär ( bzw. Bürger Polizei Leutnant ) Kassimir Ficht unterzeichnet sind.

Am 9. Januar 1814 befreiten preußische Truppen Worms von der Fremdherrschaft. Zu dieser Zeit trat Bernhard Leo Rink als Polizeikommissär in städtische Dienste. Ihm wurde kurze Zeit später Wachtmeister Waltersperger als Hilfskraft an die Seite gestellt. Als dieser verstarb, folgte als Ersatz der ehemalige Stadtsoldat Adam Wagner und Christian Krafft. Die Titel wechselten im Laufe der Jahre, vom Polizei-Wachtmeister zum - Sergeant und - Agent. Als die erste Dienstinstruktion von Rink 1839 in Kraft trat, hatte die Stadt rund 7.500 Einwohner und er 4 Agenten und 1 Ausscheller.
Andreas Künstler wurde 1839 neuer Polizeikommissär, 1846 dann Heinrich Brück.
Als Letzterer 1862 zum Bürgermeister gewählt wurde, folgte Anton Franz Nehr als Kommissär.
Bis zum Jahr 1875 folgten drei weitere Amtsvorstände, K.W. Bender, F. Schäfer und E.W. Kellermann.
Die Einwohnerzahl betrug dann 16594, 10 Polizeidiener hatte die Stadt im Sold.

Am 6. Oktober 1880 wurde die Wormser Schutzmannschaft gegründet. Sie bestand aus 1 Reviervorsteher, 11 Schutzleuten und 8 Hilfsschutzleuten. Ein Ortsstatut und eine besondere Instruktion wurde erlassen, Aufgaben und Anforderungen klar bestimmt. Die Polizeiverwaltung und das 1. Revier waren in der Hagenstraße Ecke Bürgerhofgasse. Bereits 1886 entstand das 2. Revier in der " Eulenburg " , Mainzer Straße 20.
 
                                                 2. Polizeirevier, Mainzer Straße

Einhergehend damit war eine stete Personalverstärkung. Am 1. April 1896 trat Ludwig Bischoff als Polizeikommissär in den Dienst. Im gleichen Jahr wurde der Aufsichtsdienst reorganisiert und mit der Ernennung von Schutzmann Reeg zum Kriminalschutzmann der Kriminaldienst aufgenommen. Nachdem 1898 Pfiffligheim, Hochheim und Neuhausen eingemeindet wurden, richtete man dort jeweils Stationen ein. Die Bevölkerung war auf 36000 Personen angewachsen, das 3. Revier in der Liebenauer Straße, im ehem. Stadtgefängnis, wurde gegründet.
 
                                                   3. Revier, Liebenauerstraße
 


Am Ende des 19 Jhd. verfügte Worms dann über folgendes Polizeiperonal: 3 Reviervorsteher, 3 Polizei-Wachtmeister, 35 Schutzleute, 6 Hilfsschutzleute und 1 Kriminalschutzmann.

                                    Die Mannschaft des 1. Polizeireviers um 1900
 Polizeidirektor Bischoff (1. Reihe, 4 v.l.) daneben Pol.-Sekretär Orth, Reviervorsteher, 14 Schutzleute,
 1 Wachtmeister und 2 Kriminalbeamte ( Foto PD Worms )
 

Am 6. Oktober 1905 feierte man das 25jährige Bestehen der Schutzmannschaft, deren Leiter L. Bischoff wurde zum Inspektor ernannt.Die Stadt wuchs, mit ihr auch der Personalbestand der Polizei. Als die elektrische Straßenbahn ihren Betrieb aufnahm, mußten drei Verkehrsposten eingestellt werden, eine Gewerbeabteilung mit speziellem Personal kam hinzu. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, mußten 40 Wormser Polizisten einrücken, 5 davon fielen. Die personellen Lücken wurden mit Hilfsschutzleuten geschlossen. Die Ordnungshüter mußten für öffentliche Dienste jeder Art einstehen, daneben führten sie Sammlungen durch, die zunächst an die Front gelangten, später
                  Die Keimzelle der Wormser Polizei, das Gebäude in der Hagenstraße
                                                             ( Foto Stadtarchiv )
 

beschenkte man bedürftige Kinder. 1920 gründete man eine Sittenabteilung bei der Polizei, die mit 1 Vorgesetzten und 3 Kriminalbeamten besetzt war. Im gleichen Jahr ernannte man den, seit 1915 als Polizeirat fungierenden L. Bischoff zum Polizeidirektor.
 

                                                 Polizeidirektor Ludwig Bischoff
                                           unermüdlicher "Vater der Wormser Polizei" 

Ein Beschluß der Rheinlandkommission brachte eine personelle Neuordnung mit sich, die zu besetzenden Stellen waren begrenzt. Im Mai 1921 bedeutete dies dann konkret: 1 Polizeirat, 3 Polizei-Inspektoren, 3 Polizei-Kommissare, 11 Polizei-Oberwachtmeister, 93 Polizei- Wachtmeister und Schutzleute u. 19 Hilfsschutzleute. Die französische Besatzungsmacht, seit 8.12.1918 die Herren in Worms, schikanierte alle Institutionen und machte (insbesondere) vor der Polizei nicht halt. Polizeidirektor Bischoff gelang es nur mit äußerster Anstrengung, ein Mindestmaß an Sicherheit für die Bevölkerung herzustellen, Übergriffe und Brutalitäten der Besatzer waren alltäglich. Am 30.Juni 1930 war Worms wieder frei, unter dem Jubel der Bevölkerung marschierten und ritten hessische Schutzpolizeibeamte über die Rheinbrücke in die Stadt.

Doch von ruhigen Zeiten war man weit entfernt, politische und wirtschaftliche Unruhen erschütterten die gesamte Bevölkerung. Nach vereinzelten Bewaffnungsanfängen von 1914 gelang es erst jetzt, Karabiner und Pistolen für alle Beamten zu beschaffen. Nachdem 1925 ein Motorrad zugeteilt wurde, erweiterte man den Fuhrpark um 2 Notrufkraftwagen und zwei PKW, 4 Diensthunde kaufte man ebenso. 1925 schied Polizeidirektor Bischoff aus dem Amt, sein Nachfolger wurde der Oberleutnant der preuß. Schutzpolizei Willy Klapproth. Bereits 1930 kam es zu dessen Beurlaubung und Neueinsetzung von Heinrich Maschmeier als Polizeidirektor.

Am 3. Juli 1930, 12.00 Uhr, erfolgte der Anschluß der Wormser Stadtpolizei zur hessischen Staatspolizei mit folgendem Personal: 1 Außendienstleiter, 13 Vorgesetzte, 90 uniformierte Polizeibeamte, 3 Vorgesetzte der Kriminalpolizei, 14 Beamte der Kriminal-u. Gewerbepolizei, 22 Verwaltungsbeamte, 3 Telefonistinnen und 3 frischversetzte Beamte, insgesamt also 150 Bedienstete.Der bisherige Polizeidirektor Maschmeyer , ein SPD - Mitglied, geriet durch die Nationalsozialisten unter Druck und wurde schließlich entlassen. Für wenige Monate übernahm Heinrich Jost das Amt, wurde aber im September 1933 von Hans Eichel , einem " strammen SA - Mann," abgelöst. Die Polizeidirektion hatte ihren Sitz, seit dem 15.04.1932, im Anwesen Erenburger Straße 33. Eine systematische Ausgrenzung von Andersdenkenden wurde betrieben, Entlassungen von Polizeibeamten, die demokratischen Parteien angehörten, folgten. Am 12.11.33 erfolgte eine Neuordnung der Kriminalpolizei, die fortan der
Kriminalleitstelle Frankfurt/M. unterstand.

Am 1.4.1937 wurde die hessische Staatspolizei in Worms Reichspolizei. In den Jahren 1937, 1939 und 1941 fanden in Worms Großveranstaltungen unter dem Thema " Tag der Polizei " statt. Die Schutzleute zogen sammelnd für das Winterhilfswerk dazu durch die Stadt. Der " Freund und Helfer " wurde propagiert, und der Sinn des neuen Staates für Recht und Ordnung demonstriert.
Als 1936 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, gab es auch keine Ausnahmen für Polizeibeamte. Mit einem Schlag überalterte der Personalkörper, die Lücken schloß man, wie einige Jahre zuvor, mit Hilfsschutzmännern.

Am 20.03.1945 hatte der braune Spuk ein Ende, die Amerikaner marschierten in Worms ein, sofort nahm man eine Neuordnung in Angriff. Polizeiinspektor Sambaß, Kriminaloberassistent Ruppert und Polizeirat Herrmann nahmen den Neuaufbau vor. Am 20.4.1945 ernannte man Albert Rosar zum Polizeipräsidenten, wenige Tage später folgte Klingelhöfer als Ersatz. Der Personalrestbestand damals: 21 Verwaltungsbeamte-u.Angestellte, 28 Ordnungspolizisten und 4 Kriminalbeamte. Im Juni 1945 lösten die Franzosen die Amerikaner als Besatzer ab. Demütigungen gegenüber dem Behördenpersonal wiederholten sich wie nach dem 1. Weltkrieg. Dr. Deppisch wurde am 1.8.45 neuer Polizeidirektor.

Ein unbeschreiblicher Mangel herrschte, die Polizisten trugen Armbinden und eingefärbte Wehrmachtsuniformen, als Waffe dienten Holzknüppel.Schwarzmarkthändler, Kohlendiebe, ehemalige Fremdarbeiter und randalierende Besatzungssoldaten waren bewaffnet, hochgefährlich war damaliges Einschreiten für die Polizeikräfte, die dennoch ihr Bestes gaben.Am 1. Oktober 1945 erließ das Oberregierungspräsidium für Hessen-Pfalz in Neustadt die 1. Rundverfügung über den Neuaufbau der Polizei und Gendarmerie. Genau ein Jahr später wurde die Polizei verstaatlicht, Worms erhielt wieder eine Direktion.

Johann Wurster wurde am 1.11.46 neuer Polizeidirektor, nach seiner Suspendierung 1951 folgte Eduard Steffen als Nachfolger. 1952 erhielt die Polizei eine einheitliche grüne Uniform. Die Polizeidirektion, kurz nach dem Krieg in der Eleonorenschule untergebracht, zieht in ein neues Gebäude in der Hagenstraße 5. Feierlich wurde der Komplex am 6. Oktober 1960 eingeweiht. Am 27.03.1962 übernahm  Eberhard Neuendorff das Amt des Polizeieidirektors.1969 fand die Kommunalreform statt, einschneidende Veränderungen vollzogen sich. Der bisherige Begriff " Ordungspolizei " verwandelte sich in Schutzpolizei, durch Eingemeindungen wuchs die Zahl der Wormser Einwohner. Nach Auflösung der Gendarmerie kamen 12 Beamte zur Polizeidirektion.

Durch die stete Zunahme des Verkehrs nahmen die Aufgaben der Polizei zu. Zur Unterstützung der Überwachung des ruhenden Verkehrs wurden am 1. Oktober 1972 sechs Politessen eingestellt. Nach fachlicher Beschulung nahmen sie ihren Dienst in der Stadt auf.
                                              Eine Streife auf dem Backfischfest
                                                 Ende d. 50er Jahre ( Foto J. Glaab )
 

Mitte der 70er erschütterte die Terrorismuswelle die Bundesrepublik, das Sicherheitsempfinden der Öffentlichkeit nahm neue Formen an, die Polizei stellte sich um. Werner Ochs wurde am 25.03.1977 neuer Behördenleiter, sein Nachfolger ,am 15.08.1979, Helmut Simon. Im Mai 1978 teilte man das Stadtgebiet in neun Bereiche ein, jeder Schichtdienstbeamte erhielt hatte in einem zugeteilten Bezirk seine Fußstreife zu gehen. Das Ganze zeigte jedoch nicht die gewünschten Erfolge, was zur Gründung des Bezirksdienstes am 15.01.1981 führte.

Im Oktober 1981 erhielt die PD Worms eine völlig neue Einsatzleitung mit verbesserter Technik. Den wachsenden Bedürfnissen der Polizeiinspektion trug man mit dem Neubau des Wachtraktes 1984 Rechnung. Im gleichen Jahr, am 1.12., trat Jakob Dorfelder die Stelle als Polizeidirektor an.Am 1.1.1987 wurden die Aufgaben der Verwaltungspolizei an die Stadtverwaltung abgegeben, das Personal zog um, ein Jahr später galt dies auch für die Politessen. Am 1.6.1990 wurde die Schutzpolizei reorganisiert, dabei werden ihr Aufgaben von der Kriminalpolizei mit übertragen. Nachdem im April 1988 das Polizeipräsidium Mainz für gewisse Delikte die überörtliche Zuständigkeit erlangte, erfolgt eine weitere Umstrukturierung der Kriminalpolizei am 15.3.1991. Am 20.12.1991 fand ein Wechsel des Behördenleiters statt, der neue Mann war Schutzpolizeidirektor Artur Wilhelm.

Zur völligen Neuorganisation der rheinland-pfälzischen Polizei kam es am 1. September 1993. Für Worms bedeutete dies vielfältige Neuerungen, die für sehr unterschiedliche Reaktionen bei den Beamten führten. Die Schutzpolizei erhielt einen größeren Dienstbezirk, die Stadt Osthofen und die Verbandsgemeinden Eich und Monsheimwurden eingegliedert. Daneben kam es zur Auflösung der Verkehrsinspektion, deren Aufgaben nunmehr auch die Schichtdienstbeamten übernahmen. Die Kriminalpolizei hatte einen noch größeren Zuständigkeitsbezirk erhalten, der sich nun über den gesamten Landkreis Alzey-Worms und Teile vom Donnersbergkreis erschloß. Die dort " übrigen "
Kriminalbeamten, bei der Schutzpolizei eingegliedert, unterstützen vor Ort. Am 17.05.1995 wurde bei der Polizeiinspektion die computerunterstützte Sachbearbeitung eingeführt, die weiterhin ausgebaut wird.
                                                                Die Polizeidirektion
                                     Luftbildaufnahme von 1983, ( Foto PD Worms / End )

Die Geschichte der Wormser Polizei ist ausführlich in dem gleichlautenden Buch beschrieben, welches 1997 im Eigenverlag des Verfassers Horst Dehmel entstand. Es ist auch bei ihm per Einzelbestellung erhältlich.

114 Seiten, DIN-A 4, kartonierter
Einband, 102 Abbildungen und Fotos,
Preis 14,50 € plus Versandkosten
(Kontakt über die PI Oppenheim )

pioppenheim@polizei.rlp.de

 

Zum Anfang