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Der Name der Stadt WORMS
Der älteste überlieferte Name für diese Stadt ist keltischen Ursprungs und lautet Borbetomagus (Siedlung in wasserreicher Gegend). Die Römer nannten den im 3./4. Jahrhundert weit ausgreifenden Stadtbereich nach dem hier nach dem ersten nachchristlichen Jahrhundert ansässigen Stamm der Vangionen civitas vangionum. "Vangionen" nannten sich die Wormser noch bis in das 16. Jahrhundert. Von dieser Bezeichnung ist auch der Wangengau für die Umgebung von Worms abgeleitet, der dann vom Volksmund in das verständlichere Wonnegau umgesetzt worden ist. Worms heißt die Stadt seit dem 6./7. Jahrhundert, in der lateinischen Form Wormatia.
Das Stadtwappen
Das früheste bekannte Stadtsiegel zeigt in einer Architekturumrahmung den heiligen Petrus, Patron des Wormser Domes, mit seinem Beizeichen, dem Schlüssel. Der Bischof ließ die Stadt durch die Herren seines Domkapitels verwalten. Deshalb entspricht das älteste überlieferte Stadtsiegel dem des Domkapitels. Um 1500 änderte der Rat der Stadt Wappen und Siegel: ein silberner Schlüssel auf rotem Grund. Heute ist das Wappen entsprechend einem Stadtratsbeschluss von 1890 noch mit einem fünfzackigen Stern geschmückt. Die exakte Wappenbeschreibung lautet (wobei heraldisch links = rechts ist, weil man hinter dem Wappenschild steht): In Rot ein schrägrechts gelegter Schlüssel mit abwärts gekehrtem Bart, oben links ein goldener Stern.
Die Lage, Höhe und Bodenmaße
Die Stadt Worms liegt im nördlichen Oberrheingebiet auf der linken Stromseite am hochwasserfreien Hochgestade des Rheines. Nach Süden wird sie auf natürliche Weise begrenzt vom Eisbach, nach Norden von der Pfrimm, beide vom Nordpfälzer Bergland nach Osten dem Rhein zufließende Flüßchen. Der Ortsmittelpunkt ist mit 49° 38´ nördlicher Breite und 8° 22´ östlicher Länge angegeben, bezogen auf Greenwich. Im Vergleich zur Meereshöhe (NN = Normalnull) findet sich der niedrigste Punkt an der Kaimauer des Rheines bei Stromkilometer 443,5 mit 88,7 m. Der Ostchor des Domes liegt mit seinem Fußpunkt genau auf der 100-m-Linie, die höchste Stelle der Stadt (ohne Eingemeindungen) nimmt mit einem Fußpunkt von 105 m der Wasserturm am Karlsplatz ein. Seit der Verwaltungsreform 1969 ist man in Worms aber "ganz oben", wenn man im Stadtteil Pfeddersheim die Grenze der Stadtgemarkung quer über die Strasse nach Flörsheim-Dalsheim erreicht hat: 167 m.
Das Siedlungsbild
Worms, das ist heute Name und Bezeichnung für einen Bereich, in dem seit der Jüngeren Steinzeit und somit seit über 7000 Jahren Menschen gesiedelt haben. Längst bevor sich eine wirkliche Stadt bildete, gab es verschiedene Siedlungen, die ebenso wie die dazugehörigen Grabfelder von den Archäologen nchgewiesen worden sind. Den keltischen Namen Borbetomagus mögen die Mediomatriker im letzten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung für ihre Siedlung benutzt haben. Sie wurden vermutlich um Christi Geburt von den Vangionen verdrängt, nach denen die Römer die stadt civitas vangonium benannten. Die ausgedehnte Römerstadt erstreckte sich zwischen dem Speyerer Schlag im Süden und dem Martinsplatz im Norden, der römischen Mauer im Westen und dem Fischmarkt im Osten. Markante Stätten bildeten das Kastell im Osten, im Bereich des heutigen Dominikanerklosters (Pauluskirche) und das Forum Romanum an der Stelle des heutigen Domhügels. Seit jeher bildet Worms den Zentralpunkt eines Systems von Fernstraßen: die Nord-Süd-Achse verband Nordsee, Niederlande und Norddeutschland mit der Schweiz bis hin zum Süden Italiens; die West-Ost-Achse führte vom Atlantik durch Frankreich und die Pfalz hinüber nach Mitteldeutschland, zur Ostsee, zur Donau und bis ans Schwarze Meer. So trafen sich in Worms die Fern- und Handelswege und so verzweigten sie sich in alle Richtungen.
Wer hier seine Fahrt unterbricht, findet allerdings von der Vangionenstadt unter Römischer Oberhoheit nur noch ein paar Mauerreste und Museumsstücke. In der Völkerwanderung, als die Burgunder ihr im Nibelungenlied beschriebenes kurzfristiges Reich mit der Hauptstadt Worms errichteten und auch sonst viel Unruhe unter den Völkern war, scheint das Worms der Römerzeit mitsamt Forum und Theater (Schauspielermaske im Museum) zerstört worden sein. Die fränkischen Neuanfänge beschränken sich auf einen kleineren Bereich.
Um 900 beschreibt die Wormser Mauerbauordnung des Bischofs Thietlach eine Stadt, die sich weitgehend mit den noch heute erhaltenen Stadtmauerresten eingrenzen läßt und nur im Osten bereits an der Linie Fischmarkt-Mähgasse endete.
Die Osterweiterung (bis zur Woogstr., Torturmplatz) erfolgte um 1200. Dem inneren Mauerring fügten die Bürger im 14. Jahrhundert einen äußeren Wall hinzu, der im Norden die Liebfrauenkirche, im Westen das Karmeliterkloster (Karmeliterstrasse) und den Judenfriedhof sowie im Süden das Kloster Maria Münster mitsamt den in Vorstädten wohnenden Bürgern in den militärischen Schutz der Stadt hineinnahm. Vor diesen Befestigungen und Toranlagen befand sich Ackerfeld, lagen Wingerte und Weiden sowie im Osten der Fischteich Woog.
Das Einwohnerwachstum und die Stadterweiterung
Als nach der Stadtzerstörung durch die Truppen Ludwigs XIV. 1689 die Einwohnerzahl auf 1000 sank (zuvor im Spätmittelalter ca. 6000 - 7000 Einwohner) und nur langsam im 18. Jahrhundert auf 3500 stieg, um erst zum Jahrhundertwende knapp an 5000 heranzukommen, reichte die innere Kernstadt völlig für Wohnen, Handel und Gewerbe aus. Im 19. Jahrhundert entstehen in den Vorstädten die Industrieansiedlungen (Leder im Süden, Tuche im Norden). Erst in der zweiten Jahrhundert- hälfte beginnt die Stadt über den inneren Mauerring hinauszuwachsen: 1853 wird "im Liebenauer Feld vor der Stadt" der Bahnhof errichtet. Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts sprengt mit dem Florieren der Industrie und dem Anwachsen der Bevölkerung den alten Mauerring. 1800: 5.000 Einwohner; 1860: 10.000 Einwohner; 1885: 20.000 Einwohner; 1990 mit der ersten Eingemeindung: 42.000 Einwohner; 1910: 47.000 Einwohner. Im Westen entsteht jenseits der Eisenbahn ein neuer Stadtteil (Wasserturm 1890, Lutherkirche 1912), auch im Süden, Norden und Osten (Rheinkorrektur) wird gebaut. Der Wiederaufbau nach den Kriegszerstörungen 1945 veränderte die Siedlungsstrucktur zunächst nur unwesentlich, verlagerte aber Industrie aus dem Süden nach dem Norden an den Rhein. In den Jahren nach 1960 wandelte sich dann die Struktur der Stadt deutlicher und entscheidender. Das jahrhunderte alte Straßennetz wird ersetzt durch neue Verkehrsführungen. 1969 werden nochmals 5 Gemeinden und eine kleine Stadt eingemeindet.
Das Wechselspiel der Geschichte
Es gibt nicht viele Städte, die wie Worms Geschichte erlebt und erlitten haben. In zwei großartigen Schöpfungen spiegelt sich das abendländische Schicksal der Stadt: im vom Dichter mit Worms am Rhein verknüpften "Nibelungenlied" mit dem historischen Kern des Burgunderreiches, und im romanischem Dom, einem der Spitzenbauwerke des Mittelalters. Auch an den Urkunden und Chroniken im Stadtarchiv lässt sich das ablesen oder an den Sammelstücken im Museum.
In das helle Licht der Geschichte tritt Worms als Gauhauptstadt der Vangonen. 406 zerstörten landsuchende Vandalen das Stadtwesen. Von den Römern als Hilfsvölkerschaft gefördert, lassen sich die Burgunder in und um Worms nieder. Sie geraten aber sowohl mit den Römern wie mir den Hunnen in kriegerische Auseinandersetzungen (436/37), die zu ihrer Niederlage und zur Umsiedlung in die heutige Bourgogne führen. Nach der Schlacht zwischen Hunnen und Römern auf den katalaunischen Feldern (451) wird die antike Kultur in den Strudel der Völkerwanderung gerissen. Einer kurzen Herrschaft der Alemannen folgte um 500 die Landnahme durch die Franken, nach deren kulturellen Einfluß sich die Bewohner unseres weiteren Bereiches noch heute als "Rheinfranken" bezeichnen und durch die sie auch sprachlich geprägt worden sind.
Seit dem 4. Jahrhundert soll es in Worms einen Bischof gegeben haben. Um 600 besaß die Merowingerkönigin Brunichildis in Neuhausen einen Königshof. Worms wird zum häufig gewählten Tagungsort fränkischer Volks- und Fürstenversammlungen. Kaiser Karl der Große bevorzugt die Kaiserpfalz nördlich des Doms vor allem für seine langen Winteraufenthalte. Von den in der Stadt sesshaften Geschlechtern sollten die Salier es 1024 zur Kaiserwürde bringen, nachdem Konrad der Rote 955 auf dem Lechfeld das Reich vor dem Einfall der Ungarn gerettet und in der Schlacht den Tod gefunden hatte. Mit anderen Mitgliedern der Salierfamilie ruht er im Wormser Dom. Der imperiale Anspruch der Herrscher aus dem Salierhaus führte aber auch die große Auseinandersetzung mit dem Papsttum herauf, die dann 1122 im Wormser Konkordat ihre rechtliche Regelung fand.
Die mittelalterlische Stadt
Worms hat sich als kaisertreue Stadt erwiesen. Das brachte die für den Handel wichtigen Privilegien über Zollfreiheit (Heinrich IV., 1074) und Erlaß der Erbschaftssteuer (Friedrich Barbarossa, 1184) ein. Sie gehörte zu den Gründern des Rheinischen Städtebundes (1254). Kaum übersehbar ist die Reihe der Reichs- und Fürstentage, die sie in ihren Mauern sah und auf denen Entscheidungen von europäischer Tragweite gefasst wurden.
Europäische Ausstrahlung besaß die seit dem 10. Jahrhundert nachweisbare Judengemeinde. Mittelpunkt des sich in den nördlichen Stadtmauerbogen schmiegenden Judenviertels waren Synagoge (erstmals erwähnt 1034), Judenbad und die Talmudhochschule (Raschi-Haus). Hier studierte Rabbi Salomon ben Isaak, genannt Raschi, (1040 - 1105) aus Troyes. Noch heute verbinden die Juden diesen bedeutendsten Talmudkommentator mit der "Heiligen Gemeinde Worms". Der Heilige Sand, auf dem seit 1076 unzählige Juden aus zahlreichen Gemeinden bestattet wurden, ist der älteste erhaltene europäische Judenfriedhof und existierte lange vor jenem in Prag.
Der Bürgerschaft gelang es, seit dem 13. Jahrhundert, die städtischen Rechte zugunsten einer Freien Stadt des Reiches immer mehr auszubauen. Den Reichstag Kaiser Maximilians 1495 , auf dem das Reichskammergericht gegründet, der "Gemeine Pfennig" (Reichssteuer) und ein Ewiger Landfriede beschlossen wurden, suchte die Stadt für ihre Selbständigkeit zu nutzen. Der Bischof jener Jahre war einer der bedeutensten deutschen Humanisten, Johannes von Dalberg.
1521 trat im Wormser Bischofshof Dr. Martin Luther vor den jungen Kaiser Karl V. Luthers Widerrufsverweigerung sollte weltweite Folgen haben. Die Einheit der römischen Kirche zerbrach. Der eigenverantwortliche Mensch stand auf. Worms erlebte einen weltgeschichtlichen Augenblick. Die Bürgerschaft wurde in ihrer Mehrheit lutherisch, die Lutheraner besetzten den Magistrat und die Ämter. Doch blieben mit Bischof und Bistum die katholischen Institutionen erhalten. Zur Gesamtbevölkerung gehörten also auch Katholiken, die Judengemeinde sowie seit 1699 die Reformierten.
Brachte das 16. Jahrhundert noch wirtschaftlichen Wohlstand und bauliche Veränderungen, so kamen mit dem 17. Jahrhundert Krieg, Not und schließlich durch die Truppen König Ludwigs XIV. 1689 die gänzliche Zerstörung über die Stadt. Die wirtschaftlichen Folgen waren katastrophal, die Stadt hat sich von diesem Schlag erst im späten 19. Jahrhundert erholt.
Die Zerstörung und der Neuanfang: auf dem Sprung ins 3. Jahrtausend
Französische Revolutionstruppen besetzten 1792 die Stadt, die seit 1798 mit dem ganzen linken Rheinufer bis 1814 zu Frankreich gehörte. Das brachte ihr einige vorteilhafte Verwaltungs- und Rechtsneuerungen, die sie auch nach dem Über- gang an das Großherzogtum Hessen 1816 (seit 1818 Rheinhessen) beibehalten durfte. In der zweiten Jahrhunderthälfte gewann sie mit der Industriealisierung eine neue Basis als hessische Mittelstadt. Der Lederfabrikant C.W.v. Heyl zu Herrnsheim wurde zum Mäzen, der die Wiedererweckung des Bewusstseins für die große historische Vergangenheit ermöglichte.
Die Stadt dehnte sich aus, Eingemeindungen fanden statt, die Bevölkerung nahm zu. Caritative Einrichtungen und Bildungsstätten entstanden. In dieser positiven Entwicklung brachte der Weltkrieg 1914 - 1918 einen schweren Rückschlag. der durch die anschließende Rheinlandbesetzung verstärkt wurde. Die wirtschaftlichen Folgen waren noch nicht aufgefangen, als der Weltkrieg 1939 - 1945 das inzwischen zur kreisfreien Stadt avancierte Worms (1938) nahezu vernichten sollte. Am 21. Februar und 18. März 1945 wiederholte sich die katastrophale Stadtzerstörung des Schreckensjahres 1689. Und noch etwas ging in diesen bösen Jahren zugrunde: die alte, in vielen Bereichen bedeutsam gewesene Judengemeinde.
Nach Kriegsende sah sich die Stadt von ihren rechtsrheinischen Stadt- und Kreisteilen abgeschnitten. Ein mühsamer, dennoch imponierender Wiederaufbau ließ sie aus dem Schutt wiedererstehen, erneut in gewandelten Formen. Worms gehört nun im Lande Rheinland-Pfalz (1947) zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz. 1969 wurde die Stadt durch eine dritte Eingemeindungsaktion vergrößert.
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